Lernen

Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.
Maria Montessori, Reformpädagogin und Ärztin (die erste Frau, die in Italien in Medizin promovierte). 1870-1952

Wie geht Lernen – und welcher Lern-Typ bist du?

Mantra: Der beste Maßstab bist du selbst.

In diesem Abschnitt hier schreiben über vier ganz verschiedene Wege, die Welt zu erleben und zu verstehen. Wenn man letzteres überhaupt kann. Gerade in Zeiten wie diesen…

Du kennst ähnliche Situationen: Du sitzt in einem Meeting und dein Kollege präsentiert die neue Marketingstrategie. Während du versuchst, seinem monotonen Vortrag zu folgen, kritzelt deine Sitznachbarin wilde Mindmaps voller Verbindungslinien, der Typ gegenüber tippt eifrig Notizen in sein Tablet, und der Praktikant wippt nervös mit dem Fuß und sieht aus, als würde er am liebsten aufspringen und alles an einem Whiteboard nachkonstruieren. Wer von euch lernt jetzt am besten? Die Antwort: Wahrscheinlich niemand. Weil die Präsentation nicht auf eure individuellen Lernstile abgestimmt ist.

Hier kommt das VARK-Modell ins Spiel, entwickelt von Neil Fleming, einem Bildungstheoretiker aus Neuseeland, der nach jahrelanger Beobachtung von Studenten erkannte, dass Menschen fundamental unterschiedlich lernen. VARK steht für Visual (visuell), Auditory (auditiv), Reading/Writing (lesen/schreiben) und Kinesthetic (kinästhetisch/haptisch). Fleming definierte damit unser Verständnis vom Lernen — weg von der Einheitsmethode, hin zur individualisierten Wissensvermittlung.[1]

Natürlich gibt es auch andere Lerntheorien. Aber diese scheint uns im Kontext des KIQ zu funktionieren.

Warum ist das im KIQ-Zeitalter wichtiger denn je? Weil lebenslanges Lernen nicht mehr optional ist. Es ist überlebenswichtig geworden. Die Halbwertszeit von Wissen schrumpft rapide — in der IT-Branche liegt sie bei rund zwei Jahren, in anderen Bereichen bei 5-10 Jahren. Was du heute lernst, könnte morgen schon überholt sein. Aber — und das ist die gute Nachricht — wenn du deinen persönlichen Lernstil kennst und mit KI kombinierst, wirst du zum Protagonisten der digitalen Ära. Du be-greifst es. Lernstil Nr. 4 nicht nur schneller, sondern auch nachhaltiger, kreativer. Und vor allem: es macht dir deutlich mehr Spaß.

Die Magie entsteht, wenn VARK auf den KIQ trifft: Personalisierte Lernwege entstehen, bei denen KI sich deiner bevorzugten Lernform anpasst wie ein maßgeschneiderter Anzug. Adaptive Inhalte werden generiert, die optimal für deine neurologischen Präferenzen aufbereitet sind. Denn jeder Kopf ist anders. Außen und innen. Es ist, als hättest du einen persönlichen Lerncoach, der dich besser kennt als du dich selbst — und der noch dazu niemals müde wird.

Der große VARK-Test: Entdecke deine Lern-Methode

Bevor wir in die Details der verschiedenen Lerntypen eintauchen, lass uns herausfinden, welcher Typ du bist. Nimm dir drei Minuten Zeit für diesen Schnelltest. Bewerte jede Aussage ehrlich von 0 (trifft überhaupt nicht zu) bis 5 (trifft voll zu).

Visual (V) — Die Bilddenker
– Ich verstehe Konzepte besser durch Diagramme und Grafiken als durch Worte.
– Ich merke mir Informationen leichter, wenn sie farblich hervorgehoben sind (vielleicht bist du ja der Leuchtstift-Typ und dieses ganze Buch funkelt bereits in Neonfarben).
– Mindmaps und Flussdiagramme sind meine besten Lernhelfer.
– Ich bevorzuge visuelle Präsentationen gegenüber reinem Text.
– Bilder und Videos bleiben mir länger im Gedächtnis als gesprochene Worte.

Auditory (A) — Die Klangkünstler
– Ich lerne am besten durch Zuhören und lebhafte Diskussionen.
– Podcasts und Hörbücher sind meine bevorzugten Lernmedien. Weißt du, dass es dieses Buch auch als Hörbuch gibt? Hast du das schon gehört?
– Ich kann mich besser konzentrieren mit der richtigen Hintergrundmusik.
– Mündliche Erklärungen verstehe ich besser als geschriebene Anleitungen.
– Ich spreche oft laut mit mir selbst beim Lernen oder Problemlösen.

Reading/Writing (R) — Die Wort- und Schreibakrobaten
– Ich mache mir gerne ausführliche, strukturierte Notizen.
– Listen und schriftliche Zusammenfassungen sind mein Ding. Hast du auf den letzten Seiten dieses Buches deine Anmerkungen reingekritzelt?
– Ich lese lieber ausführliche Texte als Videos zu schauen.
– Schreiben hilft mir beim Durchdenken komplexer Probleme.
– Ich bevorzuge detaillierte schriftliche Anweisungen gegenüber Demos.

Kinesthetic (K) — Die Macher
– Ich lerne am besten durch praktisches Ausprobieren und Experimentieren.
– Bewegung hilft mir beim Nachdenken und Problemlösen.
– Ich muss Gegenstände anfassen und manipulieren, um sie zu verstehen. Du packst lieber an und aus – so be-greifst du, richtig?
– Simulationen und interaktive Tools sind für mich ideal.
– Ich brauche regelmäßige Pausen zum Bewegen während längerer Lernphasen.

Dein dominanter Lernstil ist der mit der höchsten Punktzahl. Die meisten Menschen sind brigens Mischtypen mit zwei oder drei starken Präferenzen — und das ist perfekt, denn dann hast du mehrere Kanäle zum Lernen!

Visual Learning: Wenn Bilder mehr als tausend Worte sagen

Du bist ein visueller Lerner? Glückwunsch, du befindest dich in guter Gesellschaft! Eine Mehrheit der Bevölkerung sieht sich als primär visuelle Lerner. Dein Gehirn ist wie Instagram auf Hochtouren — es denkt in Bildern, Farben, Formen und räumlichen Beziehungen. Wenn dir jemand den Weg erklärt, malst du dir innerlich eine Karte. Wenn du ein neues Konzept verstehen willst, brauchst du ein Diagramm, eine Skizze, irgendetwas Bildliches.

Für visuelle Lerner ist KI wie ein Zauberstab der Visualisierung. Stell dir vor, du sagst zu ChatGPT: “Erstelle ein detailliertes Mindmap zum Thema Quantencomputing mit Hauptsternen für Grundlagen, Anwendungen und Zukunftsaussichten, sowie Untersternen für spezifische Konzepte” — und schwupps, hast du eine strukturierte visuelle Darstellung, die dein Gehirn sofort versteht. Oder du nutzt Leonardo und Midjourney, um abstrakte Konzepte als konkrete Bilder darzustellen: “Zeige mir Machine Learning als visuelle Metapher mit einem Koch, der Rezepte perfektioniert.”

Die Power-Tools für visuelle KIQ-Entwickler sind vielfältig und werden ständig besser: Miro AI für automatische Diagramm-Erstellung aus Texten, Canva AI für Design-Vorschläge und Infografiken, Excalidraw für handgezeichnete Diagramme mit AI-Unterstützung. Ein praktischer Prompt für visuelle Lerner: “Erkläre mir die Blockchain-Technologie durch eine visuelle Geschichte mit konkreten Bildern für jeden Schritt des Prozesses.”

Auditory Learning: Die Macht des gesprochenen Wortes

Wer Ohren hat, der höre! Auditive Lerner, ihr seid die DJs, wenn es um Information geht. Für euch ist alles wie ein Podcast, und euer Gehirn ist der beste Plattenspieler der Welt. Die Welt spricht zu euch. Ihr lernt durch Zuhören, durch Diskussion, durch den Rhythmus und Klang der Worte. Wenn ihr etwas wirklich verstehen wollt, müsst ihr es hören — oder noch besser darüber sprechen.

Die KI-Wende ist für auditive Lerner spektakulär. Text-to-Speech ist nicht mehr die roboterhafte Computerstimme von früher. Tools wie ElevenLabs generieren natürliche Stimmen in verschiedenen Tonlagen und Emotionen. Du kannst dir etwa auf Speechify Stimmen ausleihen von Promis wie Snoop Dogg oder Gwyneth Paltrow. Murf.ai erstellt professionelle Voiceovers, Natural Reader macht aus jedem PDF ein Hörbuch.

Aber es geht noch weiter: Du kannst KI nutzen, um Podcast-ähnliche Lernformate zu erstellen. Gib ChatGPT den Prompt: “Erstelle einen lebhaften Dialog zwischen zwei Experten über Blockchain, wobei einer skeptisch und der andere enthusiastisch ist” — und du bekommst ein Gespräch, das du dir von einer Voice-AI vorlesen lassen kannst. Die Geheimwaffe für auditive Lerner ist die Gesprächspartner-Simulation. Führe echte Diskussionen mit AI-Chatbots! Sie werden nie müde, dir zum zehnten Mal dasselbe zu erklären – jeweils mit anderen Worten.

Reading/Writing: Die Kraft des geschriebenen Wortes

Jetzt sind die Schreiberlinge von uns an der Reihe! Ja, ihr seid die Chronisten des Wissens, die Notizen-Ninjas, die Text-Titanen. Für euch ist Lernen ein Duett von Lesen und Schreiben, ein Akt zwischen Aufnehmen und Verarbeiten durch das geschriebene Wort. Ihr denkt in Sätzen, strukturiert in Absätzen und organisiert in Listen und Kapiteln.

Für Read/Write-Lerner ist KI wie ein Turbo für einen bereits ohnehin schnellen Motor. Die Kunst liegt in der strukturierten Textgenerierung. Ein Prompt wie “Erstelle eine hierarchische Zusammenfassung mit Hauptpunkten, Unterpunkten und Schlüsselsätzen” verwandelt chaotische Information in kristallklare Struktur.

Besonders mächtig ist die Feynman-Technik mit KI. Dabei geht es darum, dass man ein Thema erst verstanden hat, wenn man es jemand anderem in einfachen Worten erklären kann. Übrigens — wenn wir schon beim Begreifen sind: Solltest du hier irgend etwas nicht verstehen oder noch vertiefen wollen, gleich mit der Frage rein in Perplexity.ai. Wir beide haben dieses Programm fast ständig offen, für all die kleinen und großen Alltagsfragen. Zurück zur Methode des Quantenphysikers Richard P. Feynman. Hier kann KI wirklich helfen — etwa nach einem Prompt wie “Erkläre Quantenmechanik so einfach, dass es ein 12-Jähriger versteht”. Nimm dann die schwierigsten Teile und vereinfache sie schrittweise noch weiter. Tools wie Notion AI, Obsidian und Roam Research verwandeln deine Notizen in ein lebendiges, vernetztes Wissensnetzwerk.

Kinesthetic Learning: Lernen durch Tun

Ihr Macher, ihr Praktiker, ihr Hands-on-Helden — jetzt seid ihr dran! Was wäre die Welt ohne euch! Ihr seid diejenigen, die sagen: Lass mich das mal selbst machen! Beim Lernen seid ihr keine Zuschauer auf der Tribüne. Ihr liebt Vollkontaktsport.

Die Verbindung von kinästhetischem Lernen und KI mag paradox erscheinen, aber hier tut sich gerade ein spannendes Segment auf: Virtual Reality AI lässt dich in virtuelle Lernwelten eintauchen. Und Augmented-Reality-Apps verwandeln deine Umgebung in ein interaktives Lernlabor. Du liebst ja Werkstätten und Labore, wo man anpacken und experimentieren kann. Der Prompt “Erstelle eine physische Aktivität, die das Konzept der Rekursion verdeutlicht” führt zu kreativen Lösungen wie Becher-Stapeln für Programmierkonzepte.

Wir sind multi-modale Lernwesen: das Konzert der Sinne

Die meisten von uns sind Mischtypen — und das ist unser Vorteil. Wir spielen mehrere Instrumente. Die Kombination von Visual und Auditory kann konkret so kombiniert werden: “Erstelle ein Video-Tutorial mit Sprachbegleitung und animierten Diagrammen”. Oder Reading + Kinesthetic: “Schreibe eine Anleitung mit eingebauten Experimenten”. Gute KI passt sich dabei deinem Fortschritt an, erkennt deine Stimmung, deinen Lernfortschritt und shiftet zwischen verschiedenen Styles für optimalen In- und Output.

Und gerade heute wird deutlich: Die Erhöhung des KIQ ist eine Investition, die garantiert Gewinne erzeugt.

☞ Challenge: Der KI-Lern-Mixer.
Nimm ein komplexes Thema und lass es dir in allen vier VARK-Stilen erklären. Welche Kombination bringt deinen persönlichen Aha-Moment.


Fußnoten

  1. https://vark-learn.com/introduction-to-vark/

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